Buchempfehlungen zum Thema MDMA-unterstützte Therapie

Obwohl die MDMA-unterstützte Psychotherapie sich mittlerweile in der letzten Studienphase vor der Marktzulassung befindet, gibt es kaum Literatur zur MDMA-unterstützten Psychotherapie. Lediglich das Buch von Passie und Dürst (2009) und Teile des offiziellen Behandlungsmanuals bieten systematische Ansätze. Ich präsentiere hier die wenigen Bücher, die relevantes Material dazu enthalten.

Heilungsprozesse im veränderten Bewusstsein

Kurzbesprechung von T. Passie:
„Elemente psycholytischer Therapieerfahrung aus der Sicht von Patienten“ lautet der Untertitel dieser kurzgehaltenen Abhandlung, die sich auf eine Studie zur psycholytischen Therapie mit MDMA bei Patienten stützt, die an der Universität Berlin durchgeführt wurde. Das Buch stellt zunächst die Prinzipien der psycholytischen Therapie und die Eckdaten der Entaktogene MDMA und MDE vor. Dann folgt eine Übersicht zu den Erlebnisweisen während psycholytischer Erfahrungen, mit allen darin gegebenen Facetten. Die Darstellung erfolgt aus der Sicht von Patienten, die für die Studie ausführlich interviewt wurden.

Ein Schwerpunkt liegt bei den Veränderungsprozessen während der Therapien. Außerdem werden Integrationsprozesse, Wirkmechanismen, Indikationen/Kontraindikationen und mögliche Nebenwirkungen dargestellt. 

Eine kurzgefasste und trotzdem recht umfassende Darstellung der MDMA-gestützten Psychotherapie, die intime Einblicke in die Erlebniswelt der Patienten vermittelt.

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LSD-Psychotherapie

Kurzbesprechung von T. Passie:
Der Altmeister der psycholytischen und psychedelischen Therapie hat hier ein Grundlagenwerk zur LSD-Psychotherapie geschrieben, welches umfassend das Verfahren, seine Geschichte und die verschiedenen Variationen beschreibt. Das meiste ist heute noch gültig, aber das Buch ist knapp 40 Jahre alt und enthält daher keine neueren Forschungen und Daten.

Therapie mit psychoaktiven Substanzen

Kurzbesprechung von T. Passie:
Eine Sammlung von relativ aktuellen Arbeiten zur psycholytischen (nicht psychedelischen) Therapie mit LSD, Psilocybin und MDMA. Autoren aus unterschiedlichen Disziplinen stellen Grundlagen, Indikationen, verschiedene Settings und Vorgehensweisen, aber auch aktuelle Forschungen dar. Es kommen sowohl Sozialwissenschaftler, Neurobiologen als auch Psychologen und Therapeuten zum Thema zu Wort.

Leider verfügen nur wenige der Autoren über einen praktischen Erfahrungshintergrund mit der psycholytischen Behandlung. Das wird kompensiert durch die vertiefende Erörterung einer ganzen Reihe von Aspekten, z.B. ethische Aspekte, die sonst oft wenig Berücksichtigung finden. 

Auf die MDMA-unterstützte Psychotherapie konzentrieren sich ein Betrag von Michael Mithoefer zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen und der Beitrag von  Passie und Dürst zur Innenperspektive von Patienten während einer MDMA-unterstützten Psychotherapie. Das Buch ist noch antiquarisch erhältlich.

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Eintritt in heilende Bewusstseinszustände

Kurzbesprechung von T. Passie:
Die Autorin verfügt offenbar über ein breites Spektrum praktischer Erfahrungen mit der psycholytischen Behandlung. Sie bringt einen Überblick zu praktischen Anwendungen und Aspekten der psycholytischen Therapie mit LSD, MDMA und anderen Substanzen. Auch zu bestimmten Substanzkombinationen macht die Autorin genauere Ausführungen.

Der Umgang mit einschlägigen Krisensituationen während psycholytischer Sitzungen und die Funktion des Therapeuten und die Facetten seiner Verantwortung werden griffig beschrieben. Auch wichtige Themen wie Übertragung und Gegenübertragung sowie die psychotherapeutische Integrationsarbeit und Nachbetreuung werden angesprochen. Sehr kundig wirken die Abschnitte über den Einsatz von Musik, dessen Wirkungen und auch die konkreten Musikvorschläge.

Die Erfahrungen und Erkenntnisse der Autorin stammen nicht aus offiziellen Studien, stellen aber eine interessante und inspirierende Ergänzung dar. 

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Ins Herz der Dinge lauschen

Kurzbesprechung von T. Passie:
Mitte der 1980er Jahre startete der Schweizer Psychiater Samuel Widmer seine Bemühungen, eine Genehmigung zur Therapie mit LSD und MDMA zu bekommen. 1985 wurde von ihm und anderen die SÄPT gegründet, 1988 die Genehmigungen erteilt. 1989 schrieb Widmer dieses bis heute aufgelegte Buch, das einige essentielle Aspekte der psycholytischen Therapie beschreibt. Es ist kein wissenschaftliches Buch, bietet aber interessante Einblicke in einige wichtige Aspekte der psycholytischen (Gruppen-)Therapie, die durch Erkenntnisse Widmers und Fallgeschichten bereichert werden.

Der Autor entwickelt ein eigenwilliges Schichtenmodell der Psyche, in welchem er verschiedene Formen von Gefühlen (z.B. unterdrückende und unterdrückte Gefühle) verortet und deren Beziehungen erläutert.

Die Misere vieler psychischer und psychosomatischer Störungen erkennt er in einer Unterdrückung von Gefühlen. So gebe es eine nach außen gerichtete Gefühlsunterdrückung, die zu Störungen des sozialen Lebens führe, und eine nach innen gerichtete Gefühlsunterdrückung, die zu einer Störung des psychischen Lebens führe. Auch eine „Gefühlsverwirrung“, wie für unsere Zeit typisch sei, führe zur Lebenseinschränkungen und neurotischem Erleben und Verhalten. Dabei spielten Neid, Sucht, Stolz, Hochmut, Verzweiflung und Verachtung eine wichtige Rolle. Etwas abstrus wirken die psychogenetischen Theorien zur Entstehung von Psychosen an. 

Trotz teils interessanter und lehrreicher Erörterungen des Autors kommen diese manchmal mit dem etwas bedenklichen erlöserhaften Stil daher und greifen für mein Empfinden recht unkritisch auf esoterische Vorstellungen und Konzepte zurück.

Im Teil 3 des Buches stellt der Autor in mehr oder weniger systematischer Weise sein Vorgehen bei der psycholytischen Therapie dar; angefangen von den Substanzen über das Setting, die Rolle des Therapeuten, der Wert von Körperarbeit und unterstützender Musik, Kontraindikationen und das Verhalten bei Zwischenfällen.

Die Darstellungen und Interpretationen des Autors greifen teils weit über das psychotherapeutische Terrain hinaus, was mancher Leser bereichernd, mancher auch anmaßend finden mag.  Die zwar manchmal – auch aufgrund der bisweilen verwirrenden Vielfalt von Aspekten – etwas fragmentiert wirkende Darstellung bietet interessante Anhaltspunkte und Denkanregungen. 

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Die Reise zum Ich

Kurzbesprechung von T. Passie:
Claudio Naranjo war ein chilenischer Psychiater, der in den USA studierte und seit 1962 in Chile psycholytische Therapien mit teils ungewöhnlichen Substanzen durchführte. Dazu gehörten auch die dem MDMA nahestehenden Substanzen MDA und MMDA. 

Nach fundierten, von einem breiten geistigen Horizont des Autors zeugenden und sehr interessanten Erörterungen zu den durch die Substanzen erzeugten „Himmels-“ und „Höllenzuständen“ sowie deren therapeutischer Verwertbarkeit bringt der Autor einzelne Kapitel zu jeder der vier von ihm verwendeten Substanzen (MDA, MMDA, Harmalin, Ibogain).

Die Kapitel über MDA und MMDA haben jeweils mehr als 50 Seiten, in denen der Autor zuerst eine Einführung zu der jeweiligen Substanz und dem Charakter ihrer Wirkungen gibt. Es folgen dann recht umfangreiche Darstellungen anhand konkreter Fälle. Darin werden die Erfahrungssequenzen der Patienten im veränderten Bewusstsein erläutert und parallel zum Verlauf der Psychotherapie dargestellt. Zwischen den patientenbezogenen Darstellungen finden sich immer wieder interessante Interpretationen und Ausführungen des Autors zu Seitenbezügen. 

Aus meiner Sicht können die Kapitel zu MDA und MDMA durchaus als lehrreiche, am Patienten orientierte Darstellungen der Psychotherapie mit Entaktogenen gelesen werden, auch wenn diese Substanzen leichte Unterschiede zu MDMA aufweisen.

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The secret chief revealed

Kurzbesprechung von T. Passie:
Dr. Leo Zeff (1912-1988) war einer der Psychotherapeuten, die LSD, MDA und verwandte Stoffe trotz des Verbotes Ende der 1960er Jahre weiter in der Psychotherapie einsetzten. Er galt als der informelle Kopf eines Netzwerkes von psychedelischen Untergrund-therapeuten (daher der Name „secret chief“). Zeff stolperte Mitte der 1970er Jahre über Probleme mit der Toxizität von MDA und stellte seine Therapien zeitweilig ein – bis er von Shulgin auf das offenbar weniger toxische MDMA aufmerksam gemacht wurde. Damals schon kurz vor der Berentung stehend entschloss sich Zeff, das neue Psychotherapeutikum MDMA in der Psychotherapie-Szene soweit wie möglich zu verbreiten.

Daher gilt er heute als „Jonny Appleseed“ der MDMA-unterstützten Psychotherapie. 

Da Zeff selbst nie etwas publiziert hat, machte sich der Ko-Autor Stolaroff daran, ihn für dieses Buch zu interviewen, um seine Geschichte und enorme Erfahrung mit MDA, LSD und MDMA in der Psychotherapie für die Nachwelt zu erhalten und nutzbar zu machen.

Das Buch stellt, basierend auf den Interviews, die Geschichte und die Erfahrungen Zeffs, aber auch das praktische Vorgehen, die Auswahl geeigneter Patienten, die Sitzungsvorbereitung, Dosierungen usw. dar. In einem umfangreichen Anhang werden von Patienten ihre Erfahrungen im Verlauf der Behandlungen bei Zeff beschrieben.

Wenn auch etwas unsystematisch ansetzend und vom therapeutischen Aspekt her durchaus vom Zeitgeist (die Interviews erfolgten 1980) geprägt, bietet das Buch einen authentischen, leicht zu lesenden und teils instruktiven Einblick in die Frühzeit der MDMA-unterstützen Psychotherapie.

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Ein Behandlungsmanual für die MDMA-gestützte Psychotherapie, 7th revision

Kurzbesprechung von T. Passie:
Seit 2005 begann eine Gruppe um die Mithoefers und Rick Doblin, an einem Behandlungshandbuch für die MDMA-unterstützte Psychotherapie bei PTBS zu arbeiten. Es wurde von Dr. Michael Mithoefer und seiner Frau Annie Mithoefer wie auch Lisa Jerome, June Ruse, Rick Doblin, Elizabeth Gibson und Marcela Ot'alora entwickelt und geschrieben. Insgesamt gab es sechs (Vor-)Versionen, bis im Jahr 2015 eine endgültige Version veröffentlicht wurde.

Das Handbuch beschreibt die Qualifikationen und Verfahrensweisen, wie sie für die Durchführung der MDMA-gestützten Psychotherapie in einem standardisierten Format erforderlich sind. Dies ist besonders wichtig für die Studien der Phasen 2 und 3, da sie standardisierten Behandlungsverfahren folgen müssen. 

Das Handbuch enthält Abschnitte über: die Qualifikation des Therapeuten, die Durchführung von Vorbereitungssitzungen, die Durchführung von MDMA-unterstützten Psychotherapie-Sitzungen, die Unterstützung der Prozesse der Patienten, die Durchführung integrativer Folge-Sitzungen und die Psychohygiene des Therapeuten. Darüber hinaus finden sich Kapitel, in dem die Ähnlichkeiten und Unterschiede der MDMA-gestützten Psychotherapie zur Therapie interner Familiensysteme (IFS) und zur somatischen Verarbeitung beschrieben werden. Das Handbuch wurde und wird als Grundlage für alle Behandlungen in Phase 2-Studien und Phase 3-Studien verwendet und ist auf die Verwendung von MDMA-unterstützter Psychotherapie bei PTBS beschränkt.

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Through the gateway of the heart

Kurzbesprechung von T. Passie:
Unter dem Pseudonym Sophia Adamson veröffentlichten die Autoren schon 1985 die erste Auflage dieses Buches. Es enthält hauptsächlich die Beschreibungen von Personen, die Erfahrungen mit MDMA gemacht haben, sei es in privaten oder therapeutischen Rahmenbedingungen. Diese Schilderungen zeigen ein breites und aufschlussreiches Spektrum und sind nach denen von Frauen und Männern sowie nach individuellen und solchen in Gruppen unterteilt. Die Länge ist unterschiedlich und reicht von zwei bis zu zehn Seiten. Von besonderem Wert sind die dem Buch angehängten „Leilinien für die therapeutische Anwendung von empathogenen Substanzen“.

Diese stellen eine sehr frühe und in vielem noch immer gültige Darstellung eines sinnvollen (nicht nur) therapeutischen Umgangs mit diesen Substanzen dar.

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Ecstasy: The complete guide

Kurzbesprechung von T. Passie:
Einer großen Mühe hat sich die Herausgeberin unterzogen, indem sie sämtliche im Bereich der Forschung mit MDMA bekannteren Autoren in diesem Sammelband zusammengeführt hat. Es werden praktisch alle Aspekte abgehandelt, von der Geschichte über die Chemie, die internationale Forschung bis zu den Folgen chronischen Konsums, aber auch die ganze Palette therapeutischer Anwendungsmöglichkeiten.

Für die MDMA-unterstützte Psychotherapie sind vor allem die Beiträge von Metzner (Using MDMA in healing and psychotherapy), Claudio Naranjo (Experience with the interpersonal psychedelics), George Greer (Clinical experience with MDMA-therapy), Carlos Bouzo (MDMA in the treatment of PTSD) von Interesse. Diese Arbeiten, obgleich nicht systematisch, vermitteln eine Reihe von Aspekten der MDMA-unterstützten Therapie.

Insgesamt ein umfassendes und gut lesbares Buch zu MDMA, das in keinem Bücheregal fehlen sollte.

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