Bücher zum Thema Verstärktes Atmen

Wie schon an anderer Stelle dieser Website erwähnt, ist das verstärkte bzw. therapeutische Atmen vermutlich uralt. Als moderne Methode wurde es aber erst Mitte der 1970er Jahre eingeführt. Die in diesem Zusammenhang in den Vordergrund getretenen Methoden sind das „Rebirthing“, das von Leonard Orr und anderen geprägt wurde, und das „Holotrope Atmen“, das von Stanislav Grof und seinen Schülern stammt. Andere Methoden wie das „Radiance Breathwork“ die „Integrative Atemarbeit“ oder die „Atemzentrierte Psychotherapie“ blieben eher randständig geblieben – obgleich sie einige Features enthalten, die sie besser zukunftsfähig machen als die beiden erstgenannten und heute dominierenden Methoden. 

Das Holotrope Atmen ist heute international verbreitet und verfügt über eine strukturierte Ausbildung. Demgegenüber erreichte das Rebirthing in den 1980er und 1990er Jahren eine größere Verbreitung, verfügt jedoch nur über uneinheitliche bzw. gar keine Ausbildung und spielt heute nur noch eine geringe Rolle.

Die folgende Liste von Kurzbesprechungen ist bei weitem nicht vollständig. Ich habe mich auf der Basis umfassender Literaturkenntnis bemüht, die inhaltlich bedeutenderen Werke zu besprechen.

Wirkungen therapeutischen Atmens

Kurzbesprechung von T. Passie:
Diese Broschüre enthält ein Gespräch des Atemtherapeuten Randolf Pleske und Prof. Passie. Gemeinsam haben sie die physiologischen Grundlagen des verstärkten Atmens, aber auch die psychologischen Phänomene und deren therapeutische Verwertbarkeit wissenschaftlich untersucht.

Das Gespräch vermittelt einen kurzen allgemeinverständlichen Überblick über all die oben genannten Aspekte, mit einem Schwerpunkt auf den psychologischen Erfahrungen und deren therapeutischen Implikationen.

Nach dem Lesen der Broschüre hat der Interessierte einen fundierten Einblick in wesentliche Aspekte der Physiologie, der Psychologie und der psychotherapeutischen Arbeit mit verstärktem Atmen.

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Rebirthing – Was es kann, wie es wird und wem es hilft

Kurzbesprechung von T. Passie:
Der Autor ist eigentlich Lehrer, hat aber vielfältige psychotherapeutische Erfahrungen gemacht und ist auch als Psychotherapeut tätig. In diesem kurzen Büchlein erläutert er in konziser Form und ohne Schnörkel den typischen Ablauf, die fünf entscheidenden Elemente und die typischen Erfahrungen von/in Rebirthing-Sitzungen. Danach thematisiert er Rebirthing als veränderte Körpererfahrung, als emotionale Erfahrung, als Geburtserfahrung, als bildhaft-gleichnishafte Erfahrung und als transpersonale Erfahrung.

Den Abschluss bilden Abschnitte über die Arbeit mit Affirmationen sowie Darstellungen von Warmwasser- und Kaltwasser-Rebirthing. Die Darstellungen sind mit Fallbeispielen angereichert.

Insgesamt ein instruktives Buch, das gut als Einführung dienen kann.

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Neu geboren werden. Rebirthing – der Weg zur Selbstentfaltung und Lebensfreude

Kurzbesprechung von T. Passie:
Schon der Titel bringt zum Ausdruck, was die Autoren zu erfüllen suchen: Sie wollen dem Leser – wie sie später ausführen – „Die Wahrheit über das menschliche Dasein“ und „Die Wissenschaft von der Daseinsfreude“ nahebringen. Neben diesen etwas anmaßend wirkenden Ambitionen bringen die Autoren ab Seite 50 über 50 Seiten hinweg eine relevante Darstellung des Rebirthings als therapeutische Methode.

Danach gehen sie zu einer Anleitung zur Selbsttherapie über – mit Überschriften wie „Wie Sie sich Ihre Wirklichkeit erschaffen können“ oder „Sie und Ihre Vergangenheit“ oder „Sie und Ihre Zukunft“. Die darin gegebenen Darstellungen mögen manchen Leser inspirieren, aber wer nicht an eigener Therapie, sondern an der Behandlungsmethode interessiert ist, profitiert davon wenig. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die Methode des Rebirthing schon immer - nicht nur zu ihrem Nutzen - mit solchen Begleitinstruktionen verbunden war.

Insgesamt ein Buch, das zwar eine gute Darstellung von Rebirthing bringt, aber dennoch zu drei Vierteln mit den eigenen Theorien, Hinweisen und Selbsthilfemethoden der Autoren gefüllt ist.

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Wie neugeboren. Das Rebirthing Buch

Kurzbesprechung von T. Passie:
Dieses interessante Buch stellt die Erfahrungen des Autors mit der Methode des Rebirthings dar. Diese erstrecken sich offenbar über mehr als ein Jahrzehnt. Der Autor behält trotzdem eine kritische Distanz zum Thema und schildert in den ersten zwei Kapiteln Theorie und Praxis des Rebirthings. Der Text ist kurz gehalten und bringt dennoch eine ganze Reihe von Aspekten. Belebend ist auch, dass zu den jeweiligen Kapiteln Autoritäten im Bereich des Rebirthings Kommentare zu den jeweiligen Abschnitten gemacht haben.

Weitere Themen sind die „wilderen Aspekte“ des Rebirthings und die Frage der Authentizität von Rückerinnerungen an die Geburt. Auch hier kommen einschlägige Experten zusätzlich zu Wort. Danach lenkt der Autor über auf seine eigenen Erfahrungen und seine Ausbildung in der Methode des Rebirthings. Ein Kapitel mit Schilderungen von Klienten des Autors über ihre Rebirthing-Sitzungen bildet den Abschluss. 

Dieses Buch dürfte für alle an der Geschichte von Rebirthing und ihren Facetten Interessierten wichtig sein.

Insgesamt ein gelungenes Buch, welches zentrale Aspekte in kurz gefasst sachlicher und zugleich spannender Form abhandelt.

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Vivation – der Weg zur Lebensfreude

Kurzbesprechung von T. Passie:
Der Autor versucht, einen neuen Begriff für das verstärkte Atmen zu prägen. Er kommt zwar aus dem Rebirthing, möchte aber mit dessen Vergangenheit nicht in Verbindung gebracht werden. Es ist dem Autor ein Anliegen, dem Leser oder Patienten mehr Lebensfreude zu verschaffen. Ausführlich behandelt er seine therapeutisch inspirierten Theorien zur Entwicklung des Menschen. Erst relativ spät wird deutlich, dass das verstärkte Atmen Kernelement seiner therapeutischen Vorgehensweise ist.

Das Buch ist ambitioniert, die teils offenbar irrationalen Theorien, mit denen sich das Rebirthing umgeben hat, durch neue Ansätze zu ersetzen. Folgt man den Theorien des Autors, so ist das gelungen. Seine Theorien sind bescheidener und klingen plausibler als jene vom Rebirthing à la Orr, sind aber nicht ohne Weiteres mit modernen psychologischen Theorien und Evidenzlagen in Einklang zu bringen. Zur Methodik des verstärkten Atmens findet sich eher wenig.

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Holotropes Atmen. Eine neue Methode der Selbsterforschung und Therapie

Kurzbesprechung von T. Passie:
In diesem Buch beschreiben die Urheber des holotropen Atmens das ihm eigene Heilungs- und Transformationspotenzial. Sie verbinden dies mit Erkenntnissen aus der Bewusstseinsforschung, der Tiefenpsychologie, der transpersonalen Psychologie, der Anthropologie und den mystischen Traditionen. Im ersten Kapitel liefern die Autoren eine Geschichte der Herkunft des therapeutischen Atmens.

Dabei spielen allerdings die Väter der Psychotherapie eine größere Rolle als jene Therapeuten, die das verstärkte Atmen vor den Grofs aufbrachten und nutzten.
Im zweiten Kapitel folgt eine Darstellung der Kartographie des Unbewussten. Etwas bedenklich mag dabei erscheinen, dass Grof die aus anderen empirischen Zusammenhängen – nämlich aus den Erfahrungen bei der LSD-Therapie – gewonnene Kartographie direkt auf das holotrope Atmen überträgt. Eine eigenständige wissenschaftliche Erforschung des therapeutischen Atmens haben die Autoren nicht durchgeführt. 

In den weiteren Kapiteln erörtern die Autoren eloquent und sachnah die Komponenten, die beim therapeutischen Atmen eine Rolle spielen. Sie behandeln das Atmen selbst, das therapeutische Potenzial von Musik, den Wert der Körperarbeit und das Zeichnen von Mandalas im Anschluss an die Erfahrung. Weitere Kapitel befassen sich mit der theoretischen Instruktion von Patienten, Kontraindikationen sowie dem Spektrum der durch das Atmen ermöglichten Erfahrungen. Auch die Rolle der Therapeuten wird thematisiert. Die folgenden Abschnitte beschäftigen sich mit der Integration der Atemerfahrungen, wie sie nach den Sitzungen stattfinden sollte. Es folgen Erörterungen über die therapeutischen Mechanismen, die allerdings sehr stark auf die vorgefassten Theorien der Autoren bezogen sind.

Insgesamt ein von kompetenten Autoren geschriebenes Buch mit dem gewissen Nachteil, dass die Autoren ihre Theorien sehr stark aus anderen Feldern hergeleitet haben und nicht aus dem therapeutischen Atmen selbst.

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Dimensionen der menschlichen Seele. Transpersonale Psychologie und holotropes Atmen

Kurzbesprechung von T. Passie:
Der Autor dieses umfangreichen Werkes hat sich zum Ziel gesetzt ein Konzept der transpersonalen Psychologie zu erarbeiten. Dabei spielt das holotrope Atmen als eine zentrale empirische Methode eine Rolle, um das Bewusstsein zu erweitern, den Zugang zu verdrängen Bewusstseinsinhalten zu erschließen, aber auch zu vorgeburtliche Erfahrungen und mystischen Dimension der Seele Kontakt herzustellen.In den ersten Abschnitten des Buches befasst sich der Autor mit der Entstehungsgeschichte des holotropen Atmens.

Dann behandelt er die äußeren Umgebungsbedingungen einer Atemsitzung und gibt praktische Anleitungen zur Durchführung von Atemsitzungen, einschließlich der therapeutischen Arbeit während der und nach den Sitzungen. Dazu gehören etwa Körperarbeit, die bewusste Gestaltung der Entspannungsphase, evokative Musik und intuitives Malen sowie die Integration am Ende der Sitzungen. Im zweiten sehr umfangreichen Kapitel folgt eine Darstellung der transpersonalen Psychologie, wie der Autor sie versteht. Im dritten Kapitel behandelt der Autor dann auf 100 Seiten das Erfahrungsspektrum wie es beim holotropen Atmen seiner Erfahrung nach auftritt. Er versucht auch ein Ordnungssystem für diese Erfahrungen zu entwickeln. Dabei unterscheidet er psychodynamische Erfahrungen, präpersonale Erfahrungen wie vorgeburtliche Erinnerungen, transpersonale und spirituelle Erfahrungen. Auch wenn sein Ordnungssystem nachvollziehbar wirkt, wird sich mancher Praktizierende fragen, ob diese Erfahrungen tatsächlich so regelmäßig auftreten und/oder vielleicht durch die Intentionen des Therapeuten mitbedingt sein könnten. 

Ein umfangreiches und gründliches Buch, das eine Bereicherung für Interessierte darstellen dürfte.

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Holotropes Atmen – Psychotherapie und Spiritualität

Kurzbesprechung von T. Passie:
Der deutschsprachige Autor bemüht sich um eine präzise Darstellung des holotropen Atmens im Kontext seiner Geschichte und der Theorien von Stanislav Grof. Dazu macht er durchaus zutreffende Ausführungen. Ob allerdings die Theorien von Grof, die bekanntlich in der LSD-Forschung gewonnen wurden, tatsächlich eins zu eins auf das therapeutische Atmen übertragbar sind, mag mancher Leser kritisch beurteilen.

In einem weiteren Abschnitt gibt der Autor grundsätzliche Erörterungen zum Setting und dem therapeutischen Vorgehen beim holotropen Atmen. Er beschreibt, wie man einen ‚geschützten Raum‘ herstellt, mit veränderten Bewusstseinszuständen umgeht, eine Integration in der Gruppe sinnvoll gestaltet und wie die Rolle des Gruppenleiters aussehen sollte. Es ist deutlich zu merken, dass der Autor über umfangreiche Erfahrungen verfügt. Eine ausführliche Fallgeschichte bildet den Abschluss des Buches.

Insgesamt ein instruktives und sachlich im Wesentlichen korrektes Buch, das sich stark an die Theorien von Stanislav Grof anlehnt.

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Handbuch der Atemtherapie

Kurzbesprechung von T. Passie:
Schon auf den ersten Seiten dieses umfassend gemeinten Buches wird deutlich, dass der Autor kein Arzt ist, da er die physiologischen Grundlagen des verstärkten Atmens nur rudimentär darstellt. Aufschlussreicher sind seine Darstellungen zum Thema Atmen und Gefühle; sowohl im gesunden Normalzustand als auch unter neurotischen oder stressgeprägten Bedingungen. Er beschreibt seine Atemarbeit, die er ‚integrative Atemtherapie‘ nennt, unter dem Aspekt einer Lösung der Gefühlsabwehr und der Katharsis.

Ein Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema „Atem und Spiritualität“. Danach werden unterschiedliche Methoden des verstärkten Atems dargestellt. In mehreren Kapiteln erläutert er das Vorgehen der integrativen Atemtherapie, z.B. wie man Sitzungen gestaltet, durchführt und ihre Ergebnisse therapeutisch nutzbar macht. Die psychischen Prozesse während des verstärken Atmens werden subtil und plausibel dargestellt; wenn auch nach einem etwas eigenwilligen Konzept. Dann befasst sich der Autor mit den Interventionen, Techniken und Methoden, mit denen Atemsitzungen therapeutisch beeinflusst werden können. Dazu gehören Berührungen, körpertherapeutische Elemente, Affirmationen und Musik, aber auch die verbale Kommunikation. Phänomene wie Übertragung und Gegenübertragung werden nicht ausgespart. Es folgen Kapitel über Spezialformen des Atmens (Augenkontaktatmen, Spiegelatmen, Kalt- und Warmwasseratmen) und das Geburtstrauma.

Ein gründliches Buch, das seine Stärke in der Breite der abgehandelten psychologischen Aspekte der Arbeit mit verstärktem Atmen hat. Durch sein weitgehend vorurteilsloses Herangehen gewinnen die Darstellungen des Autors enorm, eine der Eigenschaften, welche dieses Buch zu einem der besten der hier vorgestellten Bücher macht.

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